… wenn man eine Reise macht …

Guten Morgen! Es ist 09:46 und ich sitze im ICE von Berlin nach Nürnberg. Irgendetwas zwischen 4 und 5 Stunden wird die Fahrt wohl dauern. Derzeit warten wir auf irgendeinen schriftlichen Befehl, um in “Jena Paradies” einfahren zu dürfen. Warum wir dafür so einen Schrieb brauchen und warum der Halt in Jena auf den Namen “Paradies” hört – wer weiß das schon.

Start war 07:53 Uhr in Berlin in meinem geliebten Hauptbahnhof! Es ist wirklich schön, aber vor 08:00 Uhr ist da noch nicht viel los. Daher stieg ich ohne Frühstück ein. Kaum saß ich an meinem reservierten Platz mit Tisch packte auf selbigen schon ein treckendes Pärchen ihre “Brotzeit” aus. Frische Brötchen und dazu ein frische Dose vegetarischen Ökoaufstrichs. Die Geruchsentwicklung war bemerkenswert. Gegenüber war es ein Rentnerpaar, welches ebenfalls die geschmierten Brote aus der sorgfältig gefalteten Alufolie blätterten. Noch eine interessante Duftkombination aus reifem Käse und Leberwurst. Sind sich die Menschen eigentlich bewusst, was sie ihren Mitreisenden damit antun?
Nur als Exkurs: noch schlimmer ist es im Intercity. Dort sind Frikadellen und Würstchen mit Senf an der Tagesordnung. Das ist noch viel schlimmer. Ein Grund warum ich, wenn immer möglich, einen IC meide.Nach gerade einmal 5 Minuten an meinem Platz entschloss ich mich also, in das Bordrestaurant zu gehen. Dort waren um 08:00, 90 Minuten nach Start des Zuges in Hamburg Altona, noch alle Jalousien geschlossen. Gibt es vor acht Uhr bei der Bahn keine Verpflegung? Auf Nachtflügen schlafen die Flugbegleiterinnen doch auch nicht! Ich fragte höflich, ab wann ich denn etwas bestellen könne. “Wenn ich fertig bin!”, lautete die Antwort, gefolgt von einem deutlich netteren “So in ca. 10 Minuten. Ich muss ja erstmal alles vorbereiten.” Ich bestellte und bekam mein Frühstück, welches von nun an mit einem nicht herausragenden, aber akzeptablen Service gereicht wurde. Die Dame berechnete mir auch “nur” 13,70 Euro für das Frühstück mit Kaffee und Rührei, obwohl ich saß und nicht stand, was mich zu einem Gast im Restaurant, statt im Bistro machte. Nun denn, man kann das zwar nicht erkennen, aber nun weiß zumindest ich das. Dafür gab”™s dann auch ein Trinkgeld.
Abschließend trotzdem noch mal die Frage: Warum erst Frühstück ab acht? Wenn ich um 06:30 Uhr in den Zug steige, um um 09:00 Uhr einen Termin wahrzunehmen, dann würde ich unterwegs schon gern etwas essen können.

Ca. eine Stunde später zurück am Platz, rollten wir gerade langsam in Leipzig ein. Der ergraute Herr fortgeschrittenen Alters neben mir nörgelte über die 4 Euro noch was, die er für 2 Kaffee gezahlt hatte und kämpfte mit dem Deckel des Bechers, von dem er nicht wusste, dann man ihn auch beim Trinken auf dem Gefäß belassen kann. Dazu kam der Kaffee auch noch aus der “Warmhaltekanne”. Nun denn, dafür hat er ja auch nur 2 Euro gekostet! ;-) An nächstes konstatierte er dann, dass der Bahnhof Leipzig ja unglaublich hässlich sei. Nun denn, wenn man sich seine Meinung über einen Bahnhof nach dem Aussehen des Teils des Bahnsteiges bildet, welchen man aus dem vorletzten Wagen eines 400 Meter langen Doppelzuges sieht, dann kann der vielleicht schönste Bahnhof Deutschlands schon mal zu einem “unglaublich hässlichen Bahnhof hier im Osten” werden. Eine ihm gegenüber sitzende Dame wies ihn locker darauf hin, was seine Laune nicht gerade in interessierte Neugierde umschlagen lies, aber ich musste schon schmunzeln.

Gerade war ich erfolgreich eingeschlafen, da weckte mich der Schaffner, Entschuldigung Zugbegleiter, um nach einem Personalwechsel zum 2. Mal meine Fahrkarte zu kontrollieren. Klar, der Zug war ja auch schon fast 3 Stunden unterwegs. Da muss man schon einmal das Personal auswechseln. Wie konnte ich das vergessen?

Also gut, ich bin wohl genährt, die Sonne geht über den verschneiten Landschaften Sachsens auf und ich fahre voller Freude in meinen Skiurlaub. Da können riechende Nahrungsmittel, muffelige Rentner und semifreundliche Bahnangestellte meine Laune nicht trüben!

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