“Die Bahn kommt!” …

… so lautete der Slogan – heute nennt man es Claim – der Deutschen Bahn in den 90er Jahren. Nun ja, sie kommt, fragt sich nur wann! :-) Ich sitze gerade im ICE aus Bonn in Richtung Berlin und er hat nun schon fast 3 Stunden Verspätung. Auf dem Streckenabschnitte zwischen Minden und Hannover ist es zu einem “Personenschaden” gekommen, wie es im Bahn(beamten)deutsch heißt.

Im Klartext hat sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine arme Seele aus Verzweiflung vor einen Zug geworfen! Das ist jedes Mal sehr tragisch. Darum soll es nun aber nicht gehen.

Die Kundenorientierung eines Unternehmens lässt sich nicht in Statistiken ablesen! Auch wenn Herr Mehdorn und seine Kollegen gern darauf hinweisen, dass die Züge der Bahn in der absolut überwiegenden Mehrheit pünktlich kommen, so sind es doch die Krisen, in denen guter Service gefragt ist oder besser wäre!

Man bietet den Gästen nun eine Entschädigung von 20% des Fahrpreises an. In meinem Fall sind das 6,60 Euro. Das entschädigt wirklich für die fast 3 Stunden, die mir von meinem Wochenende verloren gegangen sind. Abgesehen davon müßte ich wohl noch weitere Zeit in den “Verwaltungskram” stecken, um an diese Summe zu gelangen. Allein das lohnt sich nicht! Will die Bahn das vielleicht sogar?

ice641ankunftzeit

Im Grunde war ich nicht einmal sauer, denn die Bahn ist auch nach vielen Jahren der Privatisierungsanstrengungen ein Unternehmen in dem die Folgen der Zeit als Staatsbetrieb ohne Kundenzwntrierung nachwirken. Die letzte Lautsprecherdurchsage dann schlug dem Fass den Boden aus! “Sehr geehrte Fahrgäste, die in Hannover zugestiegen sind. Wir begrüßen Sie an Bord unseres ICE und entschuldigen uns für die Verspätung und die daraus resultierenden Unnannehmlichkeiten!” So in etwa sinngemäß war ja noch alles fein.

Doch dann kam DER Satz: “Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass der Bistroservice in Wagen 35 nicht zur Verfügung steht! Aufgrund der Verspätung mußte das Zugpersonal den ICE verlassen!”

Wie bitte??? Was??? Ich glaube ich hab nen Tinitus. Ich muss mich verhört haben! Waren die 7 oder 8 Stunden Arbeitszeit voll und darum gibts nun nix mehr zu trinken oder zu essen? Schon mal etwas von Überstunden gehört? Sätze wie “Der Kunde ist König!” werden anscheinend nach der Einstellung bei der Bahn per “Blitzdings” aus dem Hirn getilgt. Eines muss man der Bahn lassen, zumindest das funktioniert tadellos und zuverlässig!

Nun denn, so kam auch für die in Hannover wartenden Gäste die Bahn, irgendwann, mit der falschen Zugnummer, daher ohne die gebuchten Platzreservierungen und eben ohne Bistroservice! ;-) Tja, man kann eben nicht alles haben!

Ich mußte nicht stehen, hatte vor der “Sperrstunde” des Bistro um 19:35 Uhr noch ein Bier ergattern können, habe keinen Flug verpaßt und werde irgendwann heil und gesund in Berlin ankommen! Alles in allem also nicht so schlimm!

Also liebe Fahrgäste – nicht “ärgern”, sondern einfach nur “wundern”! Frei nach dem Motto: “Jeder so gut wie er kann!” Sie können einfach nicht …

Hello Mr. President, let’s go!

Es ist so weit! Endlich sind die Tage von George W. Bush im Amt als Präsident der Vereinigten Staaten von America gezählt. Auch vor der Wahl in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch dieser Woche war das schon klar. Nicht jedoch wußten wir, ob es Barack Obama schaffen würde.

Dass er der erste nicht weiße Präsident der USA sein wird ist wohl das historisch auffälligste Detail der Wahl. Ich kann ihm nur gratulieren, wie so viele andere auch, aber darum soll es jetzt einmal nicht gehen. Es ist keine Leistung schwarz, weiß, rot, gelb oder sonst etwas zu sein. Viel beachtlicher finde ich den Werdegang des nun gewählten Kandidaten der Demokraten. Er hat sich aus kleinbürgerlichen Verhältnissen emporgearbeitet, seine Mutter hat alles dafür getan, damit er eine gute Bildung bekommen konnte und sein Weg wurde nicht von “Papa’s Freunden aus Texas und Washington” geebnet. Er hat das Elend in den Armenvierteln Chicagos kennengelernt und für bessere Verhältnisse gekämpft.

IMG_2853

Dazu kommt, dass er ein begnadeter Redner ist. Ich selber habe ihn diesen Sommer in Berlin an der Siegesäule erlebt. Er kann die Menschen gebeistern und ihnen Mut geben. Menschen wollen ein Idol haben, eine Figur, der sie sich anvertrauen können. America hat in diesen schweren Zeiten eine solche Figur gefunden – und viel wichtiger – auch gewählt. Vergessen wir nicht: George W. Bush wurde nach einer desaströsen ersten Amtszeit wiedergewählt!!! Damit ist er kein Ausrutscher der Geschichte!

Barack Obama wird in vielen Zwängen stecken und nicht annähernd so frei agieren, wie seine Reden die Zuhörer hoffen lassen. Wichtig ist nur, dass er den Freiraum, der ihm bleibt für die richtigen Dinge nutzt. Und das sind nicht die Interessen von Papa Bush’s Freunden. “CHANGE” war einer der Claims von Obama’s Wahlkampf und durch dessen Wahl ist dieser auch schon da. Die Wahlbeteiligung lag höher als seit hundert Jahren und vor allem junge Menschen hat er mobilisiert. Ich bin sehr gespannt auf die kommenden Jahre!

Auch wenn es nur eine Randnotiz in den Zeitungen war, so ist für mich Senator John McCain einer der ehrenhaftesten und besten Verlierer eines so langen und intensiv geführten Wahlkampfes, wie man ihn sich nur vorstellen kann. Sofort, als die ersten Prognosen zeigten, dass Barack Obama einen Sieg errungen hat, bot Senator McCain ihm seine Hilfe an. Er trat einen Schritt zurück, überließ ihm den Triumph und stellte sich zur Verfügung, was auch immer von ihm verlangt werden würde. Er stehe seinem nächsten Präsidenten zur Seite, versprach er noch in der selben Nacht. Das nenne ich Größe!

Größe, von der sich Verlierer bei unseren Wahlen in letzter Zeit mehr als eine Scheibe hätten abschneiden können. Ja Herr Schröder, Sie sind gemeint! Ihr Auftritt in der Runde der Parteivorsitzenden nach der Bundestagswahl 2005 war einem amtierenden Regierungschefs in meinen Augen nicht würdig. Nun denn, zumindestens paßte er ins Bild dieser Tage. Daher haben Sie sich ja auch beim großen Zapfenstreich “My Way” spielen lassen.

So, nun wieder zur Gegenwart: Dieses Video von Will Smith, auf den ich vor einigen Jahren als den ersten schwarzen Präsidenten getippt hatte, zu Gast bei Oprah Winfrey habe ich gerade auf YouTube gefunden.

Alles in Allem also großartiges Ereignis, mit historischen Gewinnern, Verlierern die Größe zeigen, einem Ergebnis, dass so eindeutig ist, dass auch die schlechteste Wahlmaschine es nicht gefährden kann und einem scheidenden Präsidenten, um den kaum einer trauert!

Auf geht’s in eine neue Zeit! “Yes we can!” könnte ihr Motto sein! Nun liegt es an uns allen, was wir daraus machen!

Für alle die, die Barack Obama’s Rede zu seinem Wahlsieg noch nicht gesehen haben, hier noch einmal in voller Länge! Schaut sie euch an! Es lohnt sich!