Offline Überleben in der Online-Welt

Vor einigen Jahren nahm ich an einer Podiumsdiskussion zum Thema Märkte und Marktplätze teil. Titel der Veranstaltung war grob “Ist Ebay das Ende des Einzelhandels?”

Mit dabei waren Vertreter der Handelskammern, von Politik, Wirtschaft und Forschung sowie ein Mitarbeiter von Ebay. Dieser wurde mächtig angefeindet. Es ist ja auch so schön einfach, wenn man jemanden für die eigenen, nicht gemachten Hausaufgaben verantwortlich machen kann. In diesem Falle also der Vertreter von Eay, der dafür herhalten musste, dass weiter Teile der klassischen Einizelhandelskonzepte nicht mit der Zeit gegangen waren und ihnen nun die Kunden weglaufen.

Als follow-up zu meinem Artikel Amazon, Google and the Weather, in dem es um strategische Anpassungen an globale Rahmenbedingungen geht, möchte ich von einem wunderbaren Beispiel berichten. Im Zuge dessen ist mir obige Einleitung eingefallen.

Zurück zu dem Ebay Beispiel; Ich brachte damals das Thema auf, dass Ebay nicht nur Existenzen vernichtet oder gefährdet habe, sondern auch neue schaffe. So zum Beispiel die damals zahlreichen Ebay Shops mit absolut spitzen dafür aber tiefen angeboten. So zum Beispiel hochwertige Schutzfolien für PDAs und andere Touchscreen-Geräte. Ein Produkt, welches ich überall vergebens suchte. Oder aber Ersatzakkus für Digicam und co. Beim Hersteller kosten diese ein Vermögen, die Nachbauten, oftmals sogar leistungsstärker, hingegen deutlich weniger.

Wer aber waren diese Shopbetreiber? Das interessierte mich damals sehr und so schaute ich mir die Adressen der Versender einmal genauer an. Siehe da, fast alle kamen sie aus strukturschwachen Gegenden mit wenig Industrie und Dienstleistungsgewerbe. Dünn besiedelte Landstriche in den neuen Bundesländern, der Eifel oder der Röhn. Hier hatten findige Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und sich so eine neue Existenz geschaffen. Bravo! Sie alle haben damals eine Chance erkannt und genutzt!

Diese Argumentation passte nun gar nicht in das Konzept der Mehrheit der Runde und so wurde es schnell wieder bei Seite gelegt. Mittlerweile muss man fast schon wieder fragen:”Was ist Ebay?” Wann waren sie das letzte mal auf der Seite? Ich habe mich ertappt, dass ich wirklich lange nicht mehr dort war. Vor ein paar Jahren war dies noch anders. Dazu habe ich eine Theorie, doch die besprechen wir ein andermal.

Nun zu meinem Erlebnis vor einer Woche. Für eine Fernreise brauchte ich einen zweiten großen Reisekoffer. Nachdem ich vor ein paar Jahren meinen alten Koffer entsorgen musste und er mich auf endlosen Kilometern auf den Flughäfen und Bahnhöfen dieser Welt genervt hat war Zeit für eine neue Epoche. Die Zeit nach meinem ersten “Rimowa” Koffer. Ich weiß, es klingt sehr pathetisch, aber reisen ist seit dem ein deutlich entspannteres Erlebnis. Es war ein Modell mit 4 Rollen, welches auch mit Notebooktasche und Mantel wie von Geisterhand neben mit eintlangfährt. Ein treuer Begleiter, der nicht bei den ersten Anzeichen platzt, den Geist aufgibt oder eine Rolle verliert. Verschwitzt irgendwo anzukommen, nur weil man den Koffer doch tragen musste ist bei Geschäftsterminen nun wirklich kein Spaß.

Nun also musste nach meinem Ersten und einem passenden Bordcase ein dritter her. Die ersten beiden hatte ich mir aufgrund der besseren Auswahl (das Modell, welches ich jeweils haben wollte, war die Im Laden vorrätig) im Internet bei einem großen, auf Koffer spezialisierten Versender bestellt. Große Auswahl, schnelle Lieferung, 6% Rabatt ab einer gewissen Summe und noch einmal 5% bei Vorkasse. Dazu noch portofrei – alles in Allem eine Runde Sache.

Doch nun musste es schnell gehen, ich war mir nicht sicher, welches Modell es werden sollte und anfassen und sich beraten lassen ist auch in der schönen, bunten Online-Welt nicht zu ersetzen. So suchte ich mir einen der großen “Rimowa” Händler in Berlin und fuhr hin. Erster Eindruck: Super nettes Personal, hands-on Mentalität, “wir reparieren auch alles”, Stammkunden in einer Schlange und das knappste Gut war die Kasse. WOW! Das nenne ich mal ein Luxusproblem!

Das volle Sortiment der großen Hersteller war vertreten in jeder Farbe und Variante. So ließ ich mich beraten und landete bei einem anderen Modell, als ich es mir im Internet bestellt hätte. Ich war darauf eingestellt, an der Kasse ein wenig handeln zu müssen, denn schließlich gibt es im Netz 11%. Doch dazu kam es gar nicht. 10% auf den gesamten Einkauf wurden mir bei EC-Karten oder Barzahlung angeboten. Das nenne ich mal zuvorkommendes Verhalten.

Hier hat ein Unternehmer und Einzelhändler die Zeichen der Zeit erkannt. Er bietet Service, Beratung und Preise, die mit denen “da draußen” mithalten können. Was hilft es denn auch, wenn die Kunden sich schlau machen und dann im Netz kaufen. Die Zeit für Beratung haben die Mitarbeiter schon investiert, der Teppich ist ein wenig mehr abgenutzt und die Türscharniere eine Öffnung näher an ihrem Ende. Nun besteht die Wahl zwischen “kein Umsatz” und “UvP minus 10%”. Das letztere die bessere Wahl ist, versteht sich hier von selbst.

Noch mehr kommt dem Ladengeschäft zu Gute, dass sie auch Reparaturserviceleistungen bieten inklusive Abrechnung mit der jeweiligen Fluggesellschaft und einem so noch viel Papierkrieg abnehmen. Unbezahlbar! Ich halte es für nahezu ausgeschlossen, dass dieses Geschäft Gefahr läuft, auch nur einen Kunden an die Wettbewerber aus dem Internet zu verlieren. Ich zumindest bin ein Fan geworden und erzähle Freunden und Kollegen davon. Ob ich dem Geschäft vielleicht Ärger machen könnte, wenn ich Ross und Reiter im Netz nenne, weiß ich nicht. Daher lasse ich das einmal. Wenn Sie in Berlin aber einen Rimowa Koffer kaufen möchten, kommen Sie an diesem kleinen Fachgeschäft mit ich glaube zwei Filialen nicht vorbei.

Hier haben wir also ein sehr passendes Fallbeispiel für eine Nischenanpassung in einem wettbewerbsintensiven Umfeld.

Weiter so!

Amazon, Google and the Weather

A few days ago, while building and tuning a board presentation, I was searching for a metaphor. One that describes the options players have on a market, especially in fast changing ones. Mainstream market trends can be seen as weather – it is just there. You cannot change it!

If it is freezing cold outside you just have the option to adapt and wear your warm parka or to freeze and maybe die. If a hurricane approaches you just can close the windows and nail them because otherwise there won’t be anything left of the windows. It just does not matter if you like wooden boards in front of your house.

So I found my metaphor: “Google and Amazon are like weather”! They are just out there, they affect anybody in the Internet business and that won’t change for a while. So either you find a strategy that is successful in a world with Google and Amazon or you will just fail! Period!

Company and product strategy in the long term has some commonalities with poker as well. You can’t change the cards you are dealt. You just can decide how you play them. Do you raise (invest), check (wait for the right moment or hint) or fold (exit). The latter is very often no matter of discussion because of many most personal reasons. In fact knowing when to fold and really doing that is possibly the most important competence of a poker player (manager).

Back to the weather. Many people do not like Google or even fear it. That is completely natural. I like sun much more than rain, too. But if i were a farmer I would chose an area with rain rather than without or if my soil is too dry, I would build an irrigation system. In that case I am dependent on the one supplying the water.

Most decisions are about the better or less harmful choice. It is not a wishing game. So either you find a good niche in the Amazon and Google world or exit. Face it and put away any animosities, unless you are a real rainmaker! :-)

Bye, Björn