Die Berlinale 2008: (K)ein Genuss

“Ich habe Tickets für einen vielversprechenden Berline-Film besorgt”, klang es durchs Telefon. “Super!”, dachte ich mir. Wenn ich schon in Berlin wohne, sollte man das auch mal erlebt haben.

Wir fuhren also zum Kino in Prenzlauer Berg, welches den Film zeigen wollte. Ein altes Haus aus der DDR Zeit, an welches ein neues Multiplex Kino angebaut wurde. Also ein alter Saal plus X neue. Wir nahmen den alten Eingang, welcher auch die Berlinale Insigniern trug. Die alte Kasse war offen aber irgendwie verwaist. 4-5 Junge Menschen (auf Studenten kunstverwandter Fächer würde ich tippen) tummelten sich um den Zugang zum Saal und einige Gäste unterheilten sich in der Vorhalle.
Links um die Ecke erspähten wir den Catering Stand. Getränke und Knabberkram gehören ja zu jedem guten Kinobesuch dazu. Doch auch hier leider kein Bedienpersonal zu sehen. “Egal”, dachten wir uns, “wir haben ja noch 15 min Zeit.” Daher gingen wir in den neuen Bereich und deckten uns dort mit Cola, Popcorn und M&Ms ein. Danach gings in freudiger Erwartung zurück zum Berlinale Saal.

Dort angekommen zeigten wir unsere Karten und … statt eines “Viel Spaß!” bekamen wir ein “Popkorn ist hier verboten!” in recht harschem Ton zu hören. Zunächst hielt ich es für einen Scherz. Popcorn im Kino verboten? Schließlich wird es hier ja verkauft.
Ich fragte aber mal nach dem “Warum?”. Die Antwort: “Weil’s laut ist und stinkt!”, fauchte eine weibliche Kartenabreißerin. “Wir sind ein Filmfest und kein banales Popcorn-Kino!” Abgesehen davon, dass ohne dieses banale Popcorn-Kino die ganze Industrie nicht überleben würde, wurde mir der Spaß nun doch merklich verdorben.
Ich versuchte konstruktiv zu bleiben und fragte nach einem Hinweisschild. “Das weiß man doch!”, war die Antwort und: “Außerdem steht das doch in den AGBs des Programmheftes!” Das Maß an Überheblichkeit nahm nun vollkommen ungeahnte Dimensionen an! Ich mußte mich schon sehr beherrschen, nicht auf das selbe unveschämte Niveau abzugleiten. Am liebsten wäre mir die Tüte aus der Hand gefallen. Hoppla, da hätte dann jemand den Besen holen müssen. Es hätte mir bestimmt Leid getan.
Erstattung des Kaufpreises – Fehlanzeige. Der Vorschlag war, es bis nach dem Film aufzubewahren – tolle Idee – kaltes Popcorn nach dem Film! Genial! Warum bin ich nicht selbst drauf gekommen?
Bei dem Versuch, an der Hauptkasse (dort gab es auch kein Hinweisschild) das Geld zurück zu erhalten, worauf man sich dort auch nach kurzer Diskussion einließ, merkte ich, dass mir die Zeit weglief. “Kein Nacheinlass!”, dachte ich und stellte mich mit meiner Riesentüte in die Menge und fragte, wer sie geschenkt haben wollte. Schon war ich sie los und wenigstens ein anderes Pärchen konnte sich daran laben.

Der Film war auch schlecht, aber dafür bestimmt in irgendeiner Form wertvoll. Vielleicht war ich aber auch einfach nicht mehr in der Stimmung mich für ein “Filmfest” zu öffnen. “Tropa de Elite”, der Gewinner des goldenen Bären, hätte mir aber bestimmt auch ohne Popcorn gefallen. Nur weil ein Film dabei ist, heißt ja nicht, dass er auch gut sein muss.

Das Selbstverständnis der Beteiligten an der Berlinale, die ich kennenlernen mußte, grenzt sich deutlich von der Filmindustrie ab. Der Identitätssuche mag es helfen, ob es dem Zuschauer Freude bereitet und er sich als ehrenwerter Gast willkommen fühlt, bezweifele ich. Falls dies so gewollt ist, hat die Organisation den Spirit perfekt bis zu jedem Kartenabreißer getragen, falls nicht, gibt es noch viel zu tun.

PS: Neben uns hatten noch 2 weitere Pärchen das selbe Problem. Scheinbar weißt man es doch nicht!

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