Heißes Pflaster

Jeder kennt sie. Es gibt sie in unzähligen Varianten. Schon in der Antike wurden sie verlegt – die Pflastersteine.
Beim klassischen deutschen Kopfsteinpflaster sind sie in etwa handgroß, fast schwarz sowie quadratisch in der Grundform und oben etwas abgerundet. Sind sie vollständig rundlich nennt man sie Katzenkopfsteinpflaster. Beide Arten gehören zu den Großsteinpflastern. In den Städten im Westen unserer Republik, in denen ich bisher gelebt habe (Minden, Hamburg, Hannover, Frankfurt, Düsseldorf) sind dies die vorwiegenden Formen.

Jetzt wohne ich in Berlin. Einer Stadt mit einer unglaublichen Vielfalt und auch mit einem Hang zu Demonstrationen. Sei es nun, dass es das Zentrum des politischen Lebens ist, die Protestszene auf eine lange Tradition zurückblicken kann, Autonome sich hier scheinbar gern treffen oder weil die Menschen ihren Anliegen einfach mal Luft machen wollen. Ich weiß es nicht.

Das Wort Protest kommt aus dem Lateinischen von dem Verb “protestare” und bedeutet “für etwas Zeugnis ablegen”. Die Betonung liegt auf “für”, nicht “gegen”. Aber wann findet schon einmal eine Kundgebung für etwas statt? Ich kann mich dieses Jahr nur an “Gegen”-demos erinnern. Gegen die Online-Durchsuchung, gegen Tierversuche, gegen Castor-Transporte. Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, wird nach meinem Eindruck auch nicht für die Arbeit demonstriert sondern eher gegen alles Mögliche. Amnesty International bildet eine rühmliche Ausnahme, denn sie legt für die Einhaltung der Menschenrechte Zeugnis ab.

Das Demonstrationsrecht ist ein fundamentaler Bestandteil unserer Freiheit und sollte mit allen Mitteln geschützt werden. Gewaltausschreitungen militanter Autonomer sind eine traurige Randerscheinung, die vielen gut gemeinten Veranstaltungen einen bitteren Beigeschmack geben.

Jetzt zurück zum Thema Pflastersteine. Warum werden in Berlin eigentlich überall so genannte Mosaikpflaster mit 6 bis 8 cm Kantenlänge verlegt? Diese Frage stellte sich mir am Rande der 1.Mai Kundgebungen diesen Jahres, als mehrere vermummte und schwarz gekleidete Personen vor ihren Rucksäcken knieten und fleißig eben diese Pflastersteine aufnahmen, um sie darin zu verstauen.
In der Tat ist es die ideale Größe für Wurfgeschosse. Sie liegen gut in der Hand, sind nicht zu schwer, haben aber Dank ihrer Ecken und Kanten eine gute Zielballistik an Fenstern, Polizeiwagen oder Beamten. Haben Sie schon einmal versucht, einen 8-10 Kilo schweren Kopfsteinplasterstein zu werfen? Keine Chance, aber das Berliner Pflaster fliegt ideal!

Es kann sich doch wieder nur um einen Streich der Bürokratie handeln. Wenn man in einer Stadt mit Plätzen derartiger Brisanz, aufgenommenes Pflaster einfach wieder ausbessert, damit es bei nächster Gelegenheit wieder fliegen kann, hat irgendjemand mal gar nicht nachgedacht.

Historische Restauration hin oder her. Damenabsätze gehen bei jeder Art Pflasterstein kaputt. Ich meine die (Haupt-)Stadtplaner sollten einmal über Steinplatten nachdenken. Die Damen mit Ihren High Heels werden es Ihnen ebenso danken, wie die Beamten der Bereitschaftspolizei.

Mehr Infos zu Pflaster und Steinplatten gibt es auf Wikipedia.

One thought on “Heißes Pflaster”

  1. Wieso Steinplatten, man könnte doch ein Betonfundament verlegen und jeden einzelnen Stein mit einer kopflosen 30cm-Schraube dort verankern. Denn diese Mosaikmuster sehen einfach zu hübsch aus. Wäre mit Sicherheit der Spitzenreiter im nächsten Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler…
    DFO

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