In einem Taxi durch Berlin

Gestern Abend war es einmal wieder so weit. Ich wollte mich mit Freunden in einer Bar im Prenzlauer Berg treffen und kam auf das Taxi als Verkehrsmittel meiner Wahl. Gedacht – getan, gleich 50 Meter vor meiner Haustür stand auch schon eines an der Ampel. Lampe an, das ging ja diesmal schnell. “Super”, dachte ich “200 Meter Weg zum Taxistand am Hackeschen Markt gespart!” “In die Christburger Straße im Prenzlauer Berg, bitte”, lautete mein Zielwunsch. Mittlerweile habe ich gelernt, dass man den Stadtteil in Berlin mit angeben sollte, denn die Taxifahrer sind sich nicht immer sicher, welche Straße gemeint ist. Da die deutsche Sprache nicht immer problemfrei beherrscht wird, scheuen sich manche nachzufragen. Gleich den Stadtteil zu nennen spart da viel Zeit, die andernfalls bei der Fahrt in die falsche Richtung verloren ginge.

Zurück zu meinem vermutlich Ost-europäischen Taxifahrer von gestern Abend. Wir fuhren in die richtige Himmelsrichtung und die ersten paar Straßen schienen richtig zu sein und so begann ich leichtsinnigerweise mit dem Schreiben einer SMS. Fehler – nicht aufgepasst – ganz schlecht. Mein Fahrer war viel zu weit gefahren, hatte sich verfranst und hielt plötzlich verunsichert an, um mich nach dem Weg zu fragen. Dann kramte er eine alte Karte raus, da er die Zoom-Funktion auf seinem eingebauten Navigationssystem nicht bedienen konnte und mein gewünschter Zielort in einer Seitenstraße lag. Ich nahm seine Karte und orientierte mich, was er grad nicht schaffte. Er stammelte ein paar Worte und ich entschloss mich, seine Dienste nicht länger in Anspruch zu nehmen. Das Ziel war “nur” noch ca. 1.000 Meter Luft entfernt und ich wollte lieber “Querfeldein” laufen. Ich fragte ihn, ob er für diese Fahrt wirklich ein Entgelt haben wolle (allerdings auf einfacherem Deutsch). Er überlegte kurz und wir kamen zu einer gemeinsamen Auffassung.

Warum rege ich mich so über eine misslungene Taxifahrt auf? Weil es keine Ausnahme sondern Berlin der Normalfall ist. Versuchen wir uns mal der Angelegenheit zu nähern.

Ich habe in den 12 Monaten, die ich nun in Berlin bin, verschiedene Arten von Taxifahrern identifizieren können. Fangen wir mit der angenehmsten Gruppe an. Diese Taxifahrer sind pünktlich, freundlich, zuvorkommend, offen für ein Gespräch und kennen sich in ganz Berlin aus. Falls doch einmal eine Straße sehr lang sein sollte, fragen sie nach der gewünschten Hausnummer, um die Straße bestmöglich anzusteuern. Weiterhin ist das Taxi sauber und der Fahrer fragt sogar nach frischer Lust oder der Temperatur. Von diesen bin ich leider erst Dreien begegnet. Von zweien habe ich die Handynummer und frage sie bei längeren Fahrten auch schon einmal direkt an. So sollte eine Dienstleistung aussehen – ein Dienst mit Leistung!

Die nächsten 2 Gruppen unterscheiden sich nur durch ein Faktum: Die alten West-Fahrer hassen den Osten und die alten Ost-Fahrer den Westen. Sie kennen sich nicht aus, weigern sich zu Weilen über die alte Grenze in ihren Köpfen zu fahren und sind für mich fast die schlimmste Gruppe, denn sie hätten das Potential zu meiner Lieblingsgruppe zu gehören, wenn sie nicht diese Schranke im Hirn hätten. Mit Dienst am Kunden hat das nichts zu tun! Die Mauer ist seit nunmehr 18 Jahren Geschichte – sollten wir uns nicht freuen?

Kommen wir nun zu den anderen Fahrern, die gefühlt fast die Mehrheit ausmachen. Das ist ein persönlicher Eindruck und kann anderen anders vorkommen. Diese Gruppe erkennt man am Navigationssystem im Auto, welches auch in Betrieb ist und vor Fahrtantritt erst einmal gefüttert wird. Dort beginnt aber schon das Problem: “Wie schreibt man Savignyplatz? Clausewitz Straße mit “šK”˜ ?” Wenn man der Sprache des Landes nicht mächtig ist, in dem man eine Dienstleistung mit ständigem Kundenkontakt erbringen will, dann geht das eben nicht! Punkt – Aus! Nachfragen würde notfalls ja auch noch helfen. Einen Ortsfremden aber zu fragen, wo das denn nun genau sei oder wie er fahren solle, hilft im Zweifel aber auch nicht. Gerade für die unzähligen Touristen finde ich das unzumutbar. Ich habe nichts gegen Hilfsmittel wie ein Navi, aber für mich zählt das Ergebnis, und das ist trotzdem meist ungenügend.

Nun gibt es noch aber Prüfungen sollte man meinen. Gerüchten zu Folge sollen Prüflingen mit Sprachproblemen Dolmetscher beim Multiple-Choice-Test helfen. Im Ernst, sollte das der Fall sein, dass man schon einen solchen Ankreuztest nicht ohne Hilfe bewältigen kann, dann ist doch der Test ad absurdum geführt, oder nicht? Versuchen Sie mal, einen Londoner Prüfer nach einem Dolmetscher für den Taxi-Test zu fragen. Der schmeißt Sie bestimmt gleich raus.
Als kurzen Exkurs nur eine Anmerkung: Die Taxifahrer in London müssen alle 25.000 Straßen in einem 6 Meilen Radius um Charing Cross auswendig können. Da gibt es keine Diskussion darüber wie klein oder befahren die Straße sein mag. Die Ausbildung kann bis zu 3 Jahre dauern und selbst dann bestehen nur ca. 30%. Das ist eine Ausbildung, die eine Dienstleistungsqualität sicherstellt! Gratulation!

Kommen wir zur letzten Gruppe der Lizenz-Teiler. Diese Gruppe ist illegal. Hier fahren mehrere Fahrer mit ein und derselben Lizenz. Sehen sich die Fahrer recht ähnlich, ist das ja noch recht clever, aber manchmal sind die so dickfellig, dass selbst auf die Ähnlichkeit nicht geachtet wird. Ein Fahrer hat mir einmal erzählt, dass eine Razzia am Flughafen Tegel durchgeführt wurde und dabei allein 80 Fahrer ohne gültige Lizenz ermittelt wurden. Ein kleiner Hinweis, was für Umstände dort schlummern. Was ist eigentlich mit dem Versicherungsschutz für die Insassen im Falle eines Unglückes mit so einem Fahrer? Drakonische Strafen wären in diesen Fällen der massiven Personengefährdung angemessen, aber die Realität sieht bestimmt mal wieder anders aus.
Ich möchte allmählich zum Schluss kommen. Taxifahren in Berlin ist leider kein Spaß und weit entfernt von einer gemütlichen und entspannten Fahrt in einer der schönsten Städte der Welt. Schade, denn die Taxifahrer sind oftmals die ersten Kontaktpersonen für Besucher in einer fremden Stadt und damit Teil des ersten Eindruckes. Ist es also dieses Bild, welches Berlin vermitteln möchte? Metropole – Weltstadt – Weltklasse? Wenn man die Regeln, Ansprüche und Ziele bei 80% ansetzt, müssen sich die Verantwortlichen auch nicht wundern, wenn sie nur 50% bekommen. Auch das gehört zum Städtemarketing meine Damen und Herren! Viel mehr als noch ein riesiges Einkaufszentrum!

Im Rahmen dieses Artikels habe ich eben auch gelesen, dass ich am Taxistand freie Wahl nach “meinem” Taxi habe und daher werde ich mir Wagen und Fahrer in Zukunft noch genauer aussuchen. Dass ich dabei nach dem ersten Eindruck und Äußerlichkeiten gehen muss, wird sich nicht vermeiden lassen. Allen denen ich dadurch nach einem Jahr in Berlin keine Chance mehr gebe kann ich nur sagen, dass sie sich bei ihren Kollegen dafür bedanken können. Wirken Sie auf diese ein – die Stadtverwaltung tut es ja nur bedingt.

Nun denn, Gute Fahrt!

Ihr Björn Woltermann

Weitere Informationen zum Kundenrecht finden Sie hier!

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