Keep what’s hot! Drop what’s not!

Vor ein paar Wochen war es einmal wieder so weit – ein Projekt kam aufgrund höherer Gewalt in einen Ressourcen-Engpass. In diesen Fällen hilft nichts besser, als jeden einzelnen Bestandteil auf Herz und Nieren und vor allem auf seine Notwendigkeit hin zu überprüfen. Einfach mehr Ressourcen auf ein Projekt zu setzen, sollte nicht das Mittel der ersten Wahl sein, selbst wenn diese zur Verfügung stehen.

Langzeitprojekte neigen allzu gern zu einer gewissen “Beleibtheit”. Sie werden immer umfangreicher. Da hat der Eine noch diese Idee, ein Anderer wollte schon immer sein Lieblingsfeature haben und ganz Andere denken, dass der Kunde diese Funktion auf jeden Fall braucht.

Ganz SCHLECHT!

Schlank ist sexy! Ich meine nicht dürr, ich meine wohl geformt und auf das essentiellste konzentriert. Man sollte sich ein Projekt immer als Rennwagen vorstellen. Alles, was ihm hilft, schneller, standfester und zuverlässiger zu werden, ist gut. Alles andere nicht!

Das beste Beispiel sind die ersten Silberpfeile von Mercedes. Da die Rennwagen das zulässige Höchstgewicht überschritten, wurde kurzum der Lack abgeschliffen und die silberfarbene Metallkarosserie kam zum Vorschein.

War die Farbe nötig? NEIN!
Ist das Auto schneller geworden und hat es gewonnen? JA!

Aber warum sind die Autos dann heute allesamt lackiert? Haben die Ingenieure den Grundsatz der schlanken Autos vergessen? Im Gegenteil; heute gibt ein Mindestgewicht, und da die Autos theoretisch viel leichter wären, schadet die Farbe nicht, sondern bildet die Grundlage für Wiedererkennung, Marketing und Merchandising. Ganz nebenbei – 22 silberne Autos könnte ja auch niemand bei 300 Sachen auseinanderhalten!

Zurück zu meinem Projekt. Durch das Streichen von weniger wichtigen Details und “only nice to have features” wurde die Komplexität der verbleibenden Aufgaben und damit der verbleibende Umfang auf ca. die Hälfte reduziert. Die Meilensteine waren wieder realistisch erreichbar und alles wurde gut! Im Rahmen der Vorbereitung des Rationalisierungs-Workshops kam mir der folgende Slogan in den Sinn:

Keep what’s hot! Drop what’s not!

Er drückt wiederum schlank und sexy aus, wonach die Auswahl stattfand. Immer wenn der Nutzen von etwas nicht in max. 3 Sätzen klar wurde, fiel es dem Rotstift zum Opfer. Versuchen Sie es einmal! Die meisten gestrichenen Features wird niemand vermissen.

Diese Methode lässt sich auch wunderbar auf Alltagssituationen anwenden. Umzüge sind so ein Beispiel oder der eigene Kleiderschrank. Alles was man in den letzten 12 Monaten nicht trug, hat das Zeug zum Aussortieren. Lediglich der Smoking oder das Ballkleid (warum gab es eigentlich keine Gelegenheit?) fallen aus der Rolle – das Brautkleid schon! Darin sahen Sie zwar hinreißend aus, aber erstens gibt es keine Gelegenheit, in der Sie es noch einmal tragen könnten und falls Sie noch einmal heiraten sollten, dann bestimmt in einem anderen Kleid! Kleidungsstücke (nicht Schuhe, Taschen oder Schals), die in 10 Jahren noch einmal in Mode kommen könnten, passen dann doch eh nicht mehr. Hand aufs Herz!

Also auf geht’s! Wann immer Sie ein Produkt oder Gegenstand betrachten, denken Sie dran!

Keep what’s hot! Drop what’s not!

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