Mein Mitte, mein Berlin

Es ist Sonntag, später Mittag oder früher Nachmittag, wie man es nimmt. Ich sitze wie so oft um diese Zeit in meinem Lieblingskaffee “Strandbad Mitte” und Frühstücke. Es mag dafür zeitlich vielleicht für durchschnittsdeutsche Verhältnisse zu spät sein, aber ich esse eben lieber mein “Kleines Frühstück Halb und Halb” als etwas schweres Warmes am Mittag.

Draußen steht ein Mann mit Gitarre, er könnte Adrian Brody’s Bruder sein, die Ärmel seines blauen Hamdes hoch gekrempelt, mit Lederhalskette und hat einfach Spaß. Es singt nichts Bekanntes, dafür aber authentisch Klingendes. Seine Stimme ist etwas dünn, aber sehr angenehm.

Das Wetter ist angenehm warm, zwar bewölkt aber gerade bahnt sich die Sonne einen Weg durch den Hochnebel. Ich lese die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung mit mehr oder weniger angenehmen Themen, dafür aber in einem angenehm unreißerischen Ton. Putin jagd angeblich Tiger zu wissenschaftliuchen zwecken mit betäubungsgewehren und rettet ganz nebenbei Wanderer vor der Bestie. Wers glaubt, Ippon für den großen Helden.

Dann stoße ich auf einen Bericht über ein wahrlich gigantisches Filmprojekt. Diesen Freitag, am 5. September haben 80 Kamerateams 24 Stunden lang Berliner Alltagsszenen eingefangen. Unser Kultursenator rief alle Bürger auf, sich herauszuputzen und aufzubrezeln, was in erbärmlicher Weise zeigt, wie wenig er den Sinn dieses wohlmöglich epochalen Werkes verstanden hat. Glücklicherweise sind sich die Berliner dem Aufruf nicht gefolgt. Gut gemacht!

Ich trinke meinen zweiten Latte und freue mich einmal wieder, in dieser grandiosen Stadt zu wohnen. Einer Stadt, die sich ihr wirklich eigenes Lebensgefühl kultiviert hat. Da braucht es auch keine Kampagne wie “Sei Berlin”, wir Berliner, ob nun eingeboren oder zugezogen, wir alle sind Berlin.

Nun werd ich mich mal wieder auf den Weg machen.

Grüße an alle die mich kennen! Kommt mich doch bald mal wieder besuchen, ihr seid wie immer herzlich eingeladen.

Euer Björn

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