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Varekai im Cirque du Soleil

Gestern war es so weit, mein erstes Mal. Es gibt viele erste Male, aber selten eines von solch geballter Schönheit und Emotionalität, dass es mir eine Gänsehaut verlieh und die Schauer nur so über den Rücken laufen ließ. Ich war mein erstes Mal im Cirque du Soleil.

All das verdanke ich einer Freundin, die mich fragte, ob ich nicht Lust hätte mit ihr die Vorstellung zu besuchen. Da ihre Vorschläge bisher immer toll waren, willigte ich ein, ohne zu wissen, worum es sich genau handelte. Ein Circus, nun ja, aber Kathi hat Geschmack, daher machte ich mir keine Sorgen. Es sei recht teuer, warnte sie mich, aber wenn es ihr das wert sein sollte, dann auch mir. Sie buchte die Karten und so fuhren wir am letzten Donnerstag an den Ostbahnhof, um in den Cirque du Soleil zu gehen und Varekai zu sehen.

Von außen war es lediglich ein großes Circuszelt, in dessen Vorzelt die Hotdogs schon ausverkauft und das Popcorn zu teuer und pappig war. Aber egal, wir waren ja nicht zum Essen da. Als wir dann freundlich in das Grand Chapiteau gebeten wurden, bekam ich beim Anblick des Bühnenbildes einen ersten Eindruck dessen, was uns erwarten würde.

Doch weit gefehlt! Nachdem ein liebevoll kauziger Typ, sozusagen der Narr, Erzähler und zugleich Bindeglied der Geschichte uns begrüßte, fiel in der ersten Nummer ein Engel vom Himmel. Ohne Sicherung bewegte er sich wie schwerelos in einem weißen Netz. Während der nächsten 5-10 Minuten (ich kann nicht sagen, wie lang es tatsächlich war) bot sich uns ein Überfluss an wundervollen Eindrücken, wie ich ihn zuvor noch nie gesehen hatte. Traumhaft phantasievolle Details, eine grandiose Inszenierung, mehr als perfekte Körperbeherrschung begleitet von wunderbaren Klängen und Livegesang. Was soll ich sagen – mir kam lediglich die Frage, warum ich nicht schon eher in den Cirque du Soleil gegangen war und was ich eigentlich bisher verpasst habe. Man könnte meinen, ich hatte einen audiovisuellen Orgasmus – ganz im Ernst!
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Cassandra und die Academy…

Am 19. Januar bin ich in der Deutschen Oper gewesen. Wir haben uns Cassandra / Elektra angesehen. Wow, was für eine grandiose Inszenierung und herausragende künstlerische Leistung. Vielleicht schreibe ich dazu noch etwas. Auf jeden Fall ein fulminanter Start ins Kultur-Jahr 2008!

Ein paar Tage später dann hatte ich das Glück, ins Konzerthaus entführt zu werden. Die Academy of St. Martin in the Fields unter der Leitung von Julian Rachlin spielte Werke von Villa-Lobos, Mozart und Piazzola. Auch wenn die Meinungen über die Academy auseinandergehen und sie manchen Klassik Fans zu modern ist, war es für mich mit das Beste, was ich je hören durfte! Wunderbar lebendig und frisch, doch zugleich ausgewogen und “hörbar”. Ich war hin und weg und bin es irgendwie immernoch.

Leider gibt es dieses Arrangement nicht auf CD oder DVD. Sollte es jemand finden, so würd ich mich sehr über einen Hinweis finden. Vielleicht ist es aber auch gut so, denn Aufzeichnungen sind nicht dasselbe! :-)

Auf Wiedersehen 2007, Willkommen 2008!

Heute ist mal wieder Silvester. Eine Woche nach Weihnachten ist das bisher eigentlich immer so gewesen. Das laufende Jahr geht zu Ende. Ein schönes Jahr, wie ich finde. Ich bin nach Berlin gezogen und habe das Leben und die Kultur in der Stadt wirklich genossen. Dabei waren Roger Cicero im Admiralspalast, die Zauberflöte in der Waldbühne, “Das Leben ist Ernst” und “Die Perser” im Deutschen Theater, Justin Timberlake (Danke Yvonne noch einmal für die Karten), die Potsdamer Schlössernacht, der Gerome Robbins Ballettabend in der Staatsoper und so weiter.
Dazu kamen noch meinen absoluten Highlights – “Die Leiden des jungen Werther” und “Heaven”, beides im Maxim Gorki Theater. Der Biberpelz auf selbiger Bühne war nicht so mein Ding. Weiterhin noch Kuttner in der Volksbühne, die Surfpoeten und viele kleine und alternative Veranstaltungen.
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Die Leiden des jungen Werthers

Mittwoch war es so weit: Endlich stand das aktuelle Datum auf unseren Karten für das Maxim Gorki Theater. Von mehreren Seiten hatte ich schon von einer grandiosen Inszenierung des großen Werkes von Johann Wolfgang von Goethe in diesem Hause gehört. Zusammen mit Freunden und weiteren gespannten Theaterfreunden machten wir uns also auf, um mit großen Erwartungen (übrigens ein toller Film) das Schauspiel zu erleben.

Vorab gleich eine Bemerkung: Ich bin noch immer so überwältigt vom Erlebnis des Stückes, dass ich erst jetzt beginnen kann, darüber zu schreiben. Da ich meine Eindrücke aber noch immer verarbeite, kann dies nur ein erster Einblick werden, woher auch der Titel herrührt.

Nun befinde ich mich in einer Zwickmühle – möchte ich doch viele unerwartete und sogleich wunderbare Details würdigen, ohne dabei den Effekt beim erstmaligen Erlebnis zu Nichte zu machen, den Sie haben werden, falls Sie meiner nachdrücklichen Empfehlung folgen sollten, das Stück in exakt dieser Besetzung zu besuchen. Daher werde ich Manches nur andeuten und vielleicht in einem späteren Beitrag mehr verraten.

Ort des Geschehens war also das Maxim Gorki in Berlin. Werther, gespielt von Hans Löw verliebt sich unsagbar in Charlotte, ihrerseits verkörpert von Fritzi Haberlandt, welche jedoch mit Albert so gut wie verlobt ist. Dieser Albert, mit unvergleichlicher Präsenz und Plastizität gespielt von Ronald Kukulies, hat allerdings nicht vor von dieser abzulassen. Auf die Handlung an sich möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen.

Wir saßen in der ersten Reihe, was angesichts der Tatsache, dass sich die Protagonisten nicht unerhebliche Anteile des Stückes zwischen Bühne und Reihe 1 (vor allem Werther) und in Reihe 3 (Albert) aufhielten, zu einem hautnahen Erlebnis wurde. Albert, zu welchem ich mich umdrehte da er zwei Reihen exakt hinter mir saß, forderte mich nach seinem ersten Monolog im selben nassforschen Tonfall auf, nun doch wieder nach vorn zu schauen, da er ja nun fertig sei, in welchem er seinen Part zuvor vorgetragen hatte. Dies tat er mit einer immens glaubhaften Spontanität, egal ob geplant oder nicht, welche für viele weitere situativ komischen Kommentare der Schauspieler exemplarisch sein sollte. Wir waren mitten drin. Als dann Werter mit der Souffleuse den Platz tauschte und in der ersten Reihe Platz nahm, um mit ihr gemeinsam aus dem Tagebuch der Ereignisse zu referieren, wurde das Erlebnis in den vorderen Rängen ein vollends unmittelbares. Für alle anderen Besucher bot sich eine andere, vielleicht nicht minder attraktive Perspektive. Durch einen zwischenzeitlich auf der Bühne montierten, leicht geneigten und überdimensionalen Spiegel konnten sie das Treiben in den ersten Reihen in allen Zügen verfolgen. Ein Grund für mich, noch einmal hingehen zu wollen, um auch diese Perspektive auf mich wirken zu lassen.

Selten habe ich eine Bühneninszenierung erleben dürfen, in welcher es den Protagonisten in derart einnehmender Weise gelungen ist, die Emotionen der Helden der Handlung so direkt in die Reihen der Zuschauer zu transportieren. Falsch – ich habe es noch nie erlebt. Von überschwänglicher Euphorie in einer Minute über aussichtslose Verzweiflung in einer anderen hin zu aggressiver Verzweiflung – all das konnte ich erleben. All dies gepaart mit überzeugend trockener Situationskomik nahm uns mit auf eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Meinen Freunden und mir war nicht wirklich klar wie uns geschah. Ich kann zumindest für mich sagen, dass ich regelrecht gebannt und verzaubert wurde, da ich mich ohne vorgehalte und im Grunde vollkommen unbewusst geöffnet hatte. Nach Ende des Stückes war ich emotional regelrecht erschöpft. Grandios!

Ich ziehe meinen Hut vor (ich muss grad um die Worte ringen) “¦ der Emotionalität und Glaubwürdigkeit, der Präsenz und Wandelbarkeit der Darsteller. Danke für eine wunderbare Erfahrung, an welcher ich noch lange zu zehren haben werde. BRAVO!

An dieser Stelle möchte ich meinen Bericht vorerst beenden, um ihn an einem anderen Tag fort zu führen. Zu viel geht mir gerade durch den Kopf.

Bis bald, ich verspreche es “¦

Ihr Björn Woltermann

Nachtrag: Letztlich habe ich doch keine Fortsetzung geschrieben, aber die Eindrücke konnte der Artikel hoffentlich dennoch transportieren.

Die Perser

Gestern Abend haben eine Freundin und ich uns “Die Perser” im Deutschen Theater Berlin angesehen.

Gleich vorab – die Inszenierung von Heiner Müller hat mich vollkommen begeistert. Er hat die 2000 jahre alte, antike Tragödie nach Aischylos so wunderbar frisch und zugleich fordernd in ca. 90 Minuten gefaßt, dass ich sie jedem Freund der Bühnenkunst nur wärmstens ans Herz legen kann.
Das Bühnenbild in seiner minimalistischen aber zugleich ausdrucksstarken Weise (ein drehbarer Wandkörper) wurde besonders in der Anfangsszene, dem fast pantomimisch dargestellten Machtkampf der Protagonisten, wunderbar eingebunden!

Ohne Vorkenntnisse der Geschichte rund um die Geschehnisse während der Seeschlacht bei Salamis zwischen den Persern und Griechen, welche Gegenstand der Handlung sind, ist das Stück allerdings eine nur schwer zu verdauende Delikatesse! Daher rate ich jedem, sich vor dem Besuch noch einmal mit der Handlung vertraut zu machen. Danach lassen sich das Stück und vor allem die vielen kleinen Details viel besser wahrnehmen. Ein Rat, welcher im Übrigen meiner Meinung nach für jedes Theaterstück gilt.

Die schauspieleriste Leistung war ihrerseits schlicht beeindruckend!

Das Stück wird noch bis November 2007 laufen. Es lohnt sich wirklich!

Weitere Informationen zum Stück gibt es auf der Seite des Theaters.