Von kleinen und wachsenden Fischen

Sie sind nun schon eine ganze Weile her – die frühen Neunziger Jahre. Es begab sich zu der Zeit, dass sich ein paar junge, dynamische und kreative Köpfe aufmachten Firmen zu gründen. Firmen mit Produkten und Ideen, von denen noch nie ein Mensch zuvor gehört hatte. Das alles nannte man dann ebenso jung und frisch “New Economy“, gab ihr einen eigenen Aktienmarkt (Neuer Markt) und schon konnte das goldene Zeitalter der Internet-Start-ups beginnen.

Leider hatten viele dieser Firmen kein fundiertes Business Modell. Gleichzeitig waren Investoren von einer nie da gewesenen Euphorie beseelt und so bildete sich eine der bekanntesten Blasen der Geschichte. Besonders weil sich zu eben dieser Zeit viele private Kleinaktionäre am scheinbar unbegrenzt wachsenden Aktienmarkt versuchten, war der Aufschrei beim Crash im Jahr 2000 besonders groß und vor allem breit. Unglaubliche Summen an Ersparnissen und Privatvermögen wurden über Nacht vernichtet. Im Zuge der geplatzten Balse wurde der Neue Markt samt Index sofort wieder beerdigt. Das Handelsblatt veröffentlichte sogar eine Todesanzeige zu Ehren des NEMAX.
Nur eine Hand voll Start-ups überlebte diese Marktbereinigung. Entweder hatten sie bereits ein funktionierendes Geschäftsmodell, überlegten sich schnell eines oder hatten genügend Kapital in der Hinterhand, um die Krise zu überleben. Um diese Überlebenden geht es hier.

Einige der damals kleinen Garagenfirmen sind heute etablierte Unternehmen mit mehreren Hundert oder Tausend Mitarbeitern. Sie haben mit ihren Ideen Märkte geschaffen. Falls sie stark genug waren sind auch heute noch vertreten. Andere wurden von größeren Konzernen einfach geschluckt, falls sie attraktiv genug waren. Die überlebenden Firmen, müssen sich heute gegen neue Marktteilnehmer erwehren. In Abhängigkeit der Beschaffenheit des jeweiligen Marktes und der damit verbundenen Markteintrittskosten und -risiken, kämpfen sie gegen Branchenprimi anderer Sparten oder aber innovative Garagenfirmen, wie sie es selbst einst waren. Problem der Start-ups der ersten Stunde ist heute, dass sie mit zunehmender Größe, vertraglichen Verpflichtungen und organisatorischer Trägheit, die Geschwindigkeit eingebüßt haben, welche sie dorthin gebracht hat, wo sie heute sind.

Die Frage ist also, werden die Kleinen die Großen irgendwann immer wieder überholen?

Meiner Meinung nach nein! Es stellt sich vielmehr die Frage nach einer rechtzeitigen Make or Buy Decision.
Start-ups der ersten Stunde sind es gewohnt, alles selber zu bauen, da es das, was sie brauchten einfach nicht gab. Die Denke, interessante Ideen nach dem ersten Erprobungsstadium einfach zu kaufen, ist in diesen Unternehmen nicht so präsent wie in alt eingesessenen Konzernen. Dazu kommt, dass persönlichkeitsbedingt Ingenieure eher zum “Make”, Juristen eher zum “Buy” tendieren. Da die ehemaligen Start-ups in der Mehrzahl von ersterer Gruppe gegründet und geführt werden, sollte dieses M&A Know-how erlernt oder eben einfach eingekauft werden.

Dies zu tun schadet der Ingenieursehre nicht, es zu unterlassen der Unternehmerehre schon eher.
Fertige Bestandteile einzukaufen, gibt Unternehmen den R&D Spielraum ihre Kernkompetenzen auszubauen. Mercedes fertigt auch nicht jede Schraube selber. Im Gegenteil – die Größe fertig zugelieferter Baugruppen steigt immer weiter.
So neu auch die New Economy sein mag, es ist immer noch Economy.

Kein Business Model zu haben hat die erste Welle an Firmen dahin gerafft, den Fokus zu verlieren, sich zu verzetteln und Effizienzgewinne nicht zu nutzen, könnte zu einem weiteren Massensterben führen.

Ganz im Ernst – es ist doch auch ein schönes Gefühl, zu einem größeren Fisch herangewachsen zu sein, der selber zubeißen kann, ja bis eines Tages “¦

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